Perfekt unperfekt! – Perfectly imperfect!

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„Schon wieder ein cello-sophischer Blog. Warum gebe ich nicht konkretere, handfestere Tips?“

Geht es hier immer nur um die große Sinnfrage? Den großen Pathos? Psycho-Gelaber? Warum schreibe ich mehr „Tiefsinniges“ als „handfest-Praktisches“ für dich?

Ich kann nicht anders.

Ich bin überzeugt, dass wir zuviel an Symptomen schrauben, anstatt zu akzeptieren, dass verdammt viel einfach „geht“, wenn wir so etwas wie „Integrität“ erleben. Und was aus diesem Zustand heraus entsteht, übersteigt meistens das, was wir vorher für möglich hielten. Also muss man halt ein paar Dinge VORHER klären.

Mein Unterricht basiert auf folgenden Grundsätzen:

  1. Jede Aktion beginnt in Kopf, Herz und Seele
    Und wenn´s gut läuft, sind die sich einig. Wenn nicht, brauche ich nicht an meiner Koordination „schrauben“. Die Intention und innere Haltung mit der ich etwas angehe, bestimmt a) wie es mir bei dabei geht, b) das Resultat und c) wie es mir danach geht, falls es mir gelingt oder ich scheitere.
  2. 1 + 1 = 3
    Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile. Wenn alle Anteile unseres Körpers und Wesens gut „orchestriert“ sind, können Menschen Übermenschliches erreichen.
  3. Unsere innere Weisheit und Koordination ist genialer als jeder Alexander-Technik-Lehrer.
    Für Spezialaufgaben gibt es Spezialisten. Spezialisten gibt man die besten Bedingungen und lässt sie dann ihre Arbeit machen. Und man spricht ihnen aufrichtige Wertschätzung dafür aus.
    Mein Verdauungssystem weiß, wie man Tortilla so in die Einzelteile zerlegt, dass die meisten Nährstoffe im Körper ankommen. Meine Atmung weiß, wann wo was an Sauerstoff rein und an CO2 raus muss. Mein Nervensystem weiß, welche Millionen von Mikro-Justierungen in meinem Körper nötig sind, um ein Schumann-Konzert zu spielen (o.k. – mein Nervensystem weiß das nicht, aber deins vielleicht schon?  😉 ) usw.
    Mein Job ist, eine klare Intention zu formulieren, genügend Übesituationen anzubieten, zu fragen, was gebraucht wird und dann die Spezialisten einen geilen Job machen zu lassen.Sich selber nicht im Weg zu stehen ist die größte Kunst.
  4. Darf´s auch schiefgehen?
    Freier Klang entsteht in einem freien Menschen. Nichts spricht gegen die kraftvolle INTENTION des perfekten Klangs, aber was perfekt sein MUSS, ist nicht frei. Vergiss´es.
  5. Darf´s auch gelingen?
    Wir tun immer so, als hätten wir Angst vorm Scheitern. Ich glaube, viel öfter haben wir Angst vorm Gelingen. Traue ich mir eigentlich das Gelingen zu? Ver-traue ich eigentlich meinem Mega-Spezialisten-Team? Was, wenn ich plötzlich nur halb so grandios wäre, wie in meinen Größenfantasien? Oder scheitere ich lieber, weil ich so Zuwendung bekomme und niemandem auf den Schlips trete?

Nach einer Woche mit drei Workshops und 26 Einzelstunden mit acht jungen, großartigen Musikerpersönlichkeiten war im Schlusskonzert dieser Spirit zu spüren.

Danksagung

Ich danke von Herzen Stephan Schrader, der diesen Raum jedes Jahr schafft, den Cellisten und Cellistinnen und meinem Coach Bärbel Lonczyk, die mich unermüdlich ermutigt, stärkt und inspiriert.

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„Yet another cello-sophic blog article. Why am I not prociding more concrete, practical tipps?

Is this blog always about the question of meaning? The huge pathos? Psycho-talk? Why am I writing a lot more about these „profound“ things than practical-tangible stuff?

I just can´t help it.

I´m convinced that we spend too much time tweaking the symptoms instead of accepting that there´s a really great deal that easily works if we´re in a state of integrity. And in this state the results we procuce pretty often exceed what we thought possible before. And if we´re not in this state there are a few thing to clarifiy – in ADVANCE.

Here are the principles of my teaching:

  1. Every action originates in mind, heart and soul.
    And if things are going well they are at one with each other. If they disagree there´s no use tweaking the coordination. The intention and inner bearing of my approach to a task determines a) my state of being while executing it, b) the result c) the state of my being in case I fail or succeed.
  2. 1 + 1 = 3
    A human being is always more than the sum of its aspects. When all aspects of our self are well „orchestrated“, human beings can achieve super-human results.
  3. Our inner wisdom and coordination is much more genius than any Alexander technique teacher could ever be.Specialists solve special tasks. Specialist are to be provided with the best working conditions and not to be disturbed. And one should regularly express deeply the value and appreciation of their expertise.
    My digestive system knows best how to split a Tortilla into particles so that all the nutrients reach their usage site. My breathing systems knows where oxygen is needed and carbon dioxyde has to be removed. My nervous system knows which of the billions of micro adjustments are neccessary to play a Schumann concert. (well – actually my nervous system doesn´t, but yours propably does) etc.
    My job is to clarify my intention, offer practise opportunities, ask for what´s needed and then hand over to the specialist and let them do their f*ing awesome job.Not to stand in one´s own way is the greatest piece of art.
  4. Am I allowed to fail?
    Free musical expression is the resonance to a free human being. There´s nothing to be said against a powerful INTENION of the perfect sound – but: what MUST be perfect can´t be free. Forget about it.
  5. Am I allowed to succeed??
    We act as if we were anxious of failing. I think more often we are anxious of suceeeding. Do I rely on my ability to succeed? Do I rely on my megy-team of specialists? What if I were have as terrific as in my megalomanian fantasies? Do I prefer failure because it provides attention and I don´t tread on someones toes?

After a week of teaching three workshops and 26 sprivate sessions with 8 young, amazin personalities this spirit was cleary present in the final concert.

From the depth of my heart I thank Stephan Schrader for creating this space every year, the participating cellists and my coach Bärbel Lonczyk, who tirelessly encourages, empowers and inspires me.

Liegst du noch oder stehst du schon – beim Cello-Spielen? / Do you stand behind your cello – or are you still lying?

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Cello wird sitzend gespielt. Nicht stehend. Logisch, oder? Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen Stehen und Sitzen?

*

***Denkpause***

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Die Antwort ist erschreckend einfach: Die Beine werden gefaltet. Sonst nichts. Dadurch verlagert sich das Gewicht des Körpers von den Füßen auf den Po.

„Sitzen“ ist „wie Stehen – nur auf dem Po.“

Mit freundlicher Genehmigung meines Kollegen Tim Soar und des Grafikers Aron Cserveny

Machen wir den Realitäts-Check: Wie fühlt sich das Sitzen am Cello für dich an? Bei manchen Cellisten, besonders denen mit Knickstachel, hat man ja manchmal den Eindruck, sie liegen eher unter ihrem Instrument.

Deine tragende Basis – dein Fundament – im Sitzen ist das Becken.

Selbstversuch:

Stell dich aufrecht hin, ganz normal auf beide Beine. Denke: „Jetzt stehe ich auf den Füßen. Gleich stehe ich auf meinem Becken.“ Falte dann die drei Gelenke in den Beinen (Hüfte, Knie, Füße) und „stell dich auf deinen Po“. Kommt dabei ein anderes Sitzen als normalerweise raus?

Gegenprobe:

Stell dich wieder hin, und denke: „Ich setze mich ans Cello (so wie immer).“ Inwiefern ist das anders?

Es lohnt sich, diese beiden Varianten mehrfach auszuprobieren und sich dabei am besten zu filmen. Ich bin mir sicher, dass du interessante Ergebnisse gewinnst!

Die wichtigsten Gelenke zum Cello-Spielen:

Ich finde, die wichtigsten Gelenke zum Cello-Spielen sind die Hüftgelenke. Warum? Ohne Hüftgelenke kann man sich nicht setzen (s.o.). Außerdem wären wir ohne sie zum „stocksteif“ sein verdammt. Und wie das klänge, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Die Hüftgelenke sind die Schnittstelle zwischen den Beinen und dem Rest des Körpers. Sind sie frei beweglich, wird Bodenkontakt erst möglich, die Wirbelsäule entlastet und sogar die Atmung erleichtert. Dieser Zusammenhang würde jetzt aber den Rahmen sprengen.

Kurz: Hüftgelenke sind zentral, extrem wichtig, eine grandiose Erfindung der Evolution – und gnadenlos unterschätzt.

Deshalb bitte ich dich: Erkläre die Zeit bis zum nächsten Blogartikel (ca. 2 Wochen) zur Woche der Hüftgelenke.

Es wird dein Wohlfühlen beim Spielen revolutionieren und außerdem haben sie das verdient!

Unsere Vorstellung davon, WO sich diese Wunderwerke in unserem Körper befinden, ist oft sehr diffus. Deshalb benutzen wir leider oft Körperbereiche zum „falten“, die dafür gar nicht gemacht sind.

Hüftgelenks-Ortung:

Stell dich nochmal auf und setz dich wieder hin. Welches „Scharnier“ gebrauchst du dafür?

Sieht es bei dir ungefähr so aus?

Oft glauben wir, die Hüftgelenke wären oben am Beckenkamm.

Wenn wir uns mit dieser Idee setzen, kommt das dabei raus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steh bitte nochmal auf. Taste entlang der vorderen Beckenkante (Schambein) bis zur Leistengegend.

In diesem Bereich befinden sich deine Hüftgelenke, das „Scharnier zum Falten“. Nimm dir Zeit, diese neue Information zu realisieren.

 

 

Lockere jetzt dein Gesäß und setz dich wieder hin. War die Bewegung anders? Sitzt du jetzt anders?

 

 

 

Die meisten Menschen sitzen jetzt aufrechter und entspannter. Sie stehen wirklich auf ihrem Becken, das jetzt auch aufrechter ist. Der Körper ist mehr in Balance – und dadurch braucht die Aufrichtung weniger Muskelkraft.

 

Wenn du das jetzt ans Cello überträgst, wirst du mit Sicherheit deine Stachellänge anpassen müssen.

Dies ist eine Zwischenphase!

Spiel damit herum – am besten zunächst ohne Cello. Beobachte deine genialen Hüftgelenke beim Gehen, beim Sitzen im Zug oder beim Schuhe anziehen. Wo überall kann die neu entdeckte Beweglichkeit deiner Hüftgelenke praktisch sein? Probiere es am Cello aus – und wenn es da schwierig ist, quäle dich nicht! Hauptsache ist in dieser Lernphase die Freude an der runden, reibungsfreien Bewegung in der Körpermitte.

Wir brauchen sie dringend zum Cellospielen. Im nächsten Blog schaffen wir die Verbindung!

Bis dahin: Happy Hip-Joints!

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We play the cello sitting. Not standing. Obvious, isn´t it? But what´s the difference between sitting and standing?

*

***pregnant pause***

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The answer is alarmingly simple: We fold our legs. That´s it. By doing this the weight of our body is shifted from the feet to the butt.

„Sitting“ is „like standing – just on the butt.“

By courtesy of my collegue Tim Soar and graphic designer Aron Cserveny

Let´s make a reality check: How does sitting with the cello feel like for you? Some cellists – especiallly those with a bent endpin – seem to be lying under their cello.

Your supporting basis – your fundament – as you sit is your pelvis.

Experiment on yourself:

Stand up on both legs – just normal. Think: „I´m now standing on my feet. Soon I´ll be standing on my pelvis.“ Then fold the three joints of the legs (hips, knees, ankles) and „stand on your butt“. Does that result in a different way of „sitting“?

cross check:

Stand up again – thinking: „I´m sitting down to play the cello – as always.“ How is this different?

Playing and experimenting with this two versions is absolutely worth it. And if you video yourself doing it I´m sure you´ll gain precious insights!

The most important joints for cello playing:

The hip joints are crucial for cello playing. Why? Without them we couldn´t even sit down. Furthermore we would be condemned to immobility. And I don´t want to even image what that would sound like. The hip joints connect legs and torso. If they can move freely they enable us to have ground contact, they are a relief for our spine – and even the breathing frees up.

In short: hip joints are central, crucial and an astonishing design of the evolution – and so incredibly underestimated.

Therefore I urge you: Declare the following two weeks as „weeks for the freedom of hip joints“.

It will boost your wellbeing in cello playing and they simply deserve to be appreciated every single day!

Our phantasies about WHERE they are actually located are often quite clouded. That´s why we often accidentely mis-use other parts of our bodies for the folding movement that are not designed to do so.

Locating the hip joints:

Stand up and sit down again. What is the hinge you use for that movement?

Does it look similar like this?

We often believe that our hip joint are way up where we can feel a bony structure.

As we sit down with this idea that´s the result.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stand up again. Palpate along the front bony edge of your pelvis (pubic bone) until you reach the groin.

In this area our hip joints are located – the hinge designed for folding. Take your time until you have realised this new information.

Now release your buttocks and sit down again. How is the movement different? Is your sitting different?

Most people are now sitting more upright with less tension. They are literally standing on their pelvis which is easily upright. They are more in balance which results in less muscular effort for being upright.

If you now transfer this to the cello you will definetely have to adjust the length of your endpin.

This is an intermediate phase!

Play with this ideas – preferrebly without the cello. Observe your gorgious hip joints throughout your day – as you walk, sit in the train or put on your shoes. Where can you apply this newly discovered freedom? You can already apply it to the cello – if it disturbes you – don´t worry! In this learning phase the most important part is having joy with the roundness and ease in this central area of your body in everyday life!

We need it for a great sound. The next blog will make this connection! Don´t miss it!

Until then: Happy Hip-Joints!

Die erogenste Zone des Cellos: Widerstand suchen – Reibung genießen! / The most erogenous region of the cello: Searching resistance – enjoying friction!

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Ich wünsche dir ein herrliches neues Jahr und Freude mit dir selbst und deinem Instrument! Schön, dass du hier bist.

Das Thema Kontaktstelle („Klangstelle“ – im Englischen) beschäftigt mich schon lange. Wo Saite und Bogenhaar sich treffen, kanalisiert sich alles, was wir an Material, Technik, Kraft und Durchlässigkeit zu bieten haben. Hier entsteht und spielt die Musik!

Ist dadurch die Kontaktstelle nicht die erogenste Zone des Cellos?

Aber dazu später mehr. Zunächst eine Anekdote:

Nach dem Weihnachtsgottesdienst stand der Priester am Ausgang, reichte allen Besuchern die Hand und wünschte ein gesegnetes Weihnachtsfest. Eine schöne Geste! Ich erwiderte den Handschlag gern. Allerdings fühlte sich die mir entgegengestreckte Hand für mich an wie ein mit Wackelpudding gefüllter Gummihandschuh. Intuitiv fasste ich nach. („Da müssen doch irgendwo Knochen in der Hand sein…?“)

So wurde aus dieser kleinen Begegnung ein peinlicher Moment.

Kontakt braucht Widerstand.

Widerstand heißt, dass ein Objekt dem Versuch es in Bewegung zu versetzen eine Kraft entgegensetzt. Und wir brauchen diese Gegenkraft, um Kontakt aufnehmen zu können. Die Hand des Monsignore bewegte sich zwar auf mich zu, setzte mir dann aber keinen Widerstand mehr entgegen. So lief ich „ins Leere“.

Ohne Widerstand kein Kontakt. Ohne Kontakt kein Klang. Schade.

Deswegen nehmen wir ja auch Kolophonium – nicht Öl – als „Gleitmittel“. Wir brauchen den Widerstand, die Substanz. Wir brauchen etwas, das erst „nein“ sagt, bevor es zustimmt Reibung und Schwingung zu erzeugen. Beim Tango wird der Tanz erst spannend, wenn die folgende Person minimal zeitverzögert reagiert. Gelingt diese positiv zähe Elastizität, brennt zwischen den Tanzpartnern die Luft.

Widerstand heißt nicht Konflikt oder Kampf.

Er ist einfach nur eine Kraft, die mir entgegenwirkt, die mir Resonanz auf meine Aktion gibt. Ist es nicht herrlich, wenn ein Handschlag gelingt, hinter dem zwei ganze Personen stehen? Wenn zwei Menschen sich einander begegnen: nicht zurückzucken, aber auch nicht „zudrücken“? Entsteht in diesen Momenten nicht manchmal eine erstaunliche Intimität und Nähe? Was wäre, wenn wir Widerstand und Reibung positiv begrüßen, vielleicht sogar wünschen, anstatt sie negativ zu bewerten?

Und auch sonst ist Reibung an der richtigen Stelle herrlich, oder?

Was hat das mit Klangerzeugung zu tun?

Naja – salopp gesagt, machst du es dir beim Cello spielen selbst. Du bist verantwortlich für beide Seiten der Kontaktstelle.

Beim Cello-Spielen bist du verantwortlich für beide Seiten der Kontaktstelle.

Um die Bogentechnik kümmern wir uns in epischer Breite, aber wie steht es mit der anderen Seite? Die Fertigkeiten Deiner Bogenhand können ihren Zauber erst dann voll entfalten, wenn die Saiten einen guten Gegenkontakt bieten. Und diesen Gegenkontakt stellt der ganze Körper (Bein und Torso) her. Diesem genauso entscheidenden Teil sollte dieselbe Sorgfalt und Aufmerksamkeit geschenkt werden, wie der Bogentechnik.

Warum? Über 80 % aller Cellist*innen mit denen ich gearbeitet habe (mittlerweile über 300) ziehen im entscheidenden Moment das Cello unterm Bogen weg. Warum? Weil das Ausholen mit dem Bogenarm in Kombination mit einem nach hinten gekippten Becken den Brustbereich kollabieren lässt. Da liegt aber das Cello drauf. Wie beim Handschlag mit dem Monsignore versucht der Bogenarm nachzufassen.

Die Folgen: Rückenschmerzen (denn wir versuchen intuitiv die Stabilität wieder herzustellen) und ein müder Bogenarm (der statt satt zu landen, den Kontakt suchen muss).

Umgekehrt hat bei fast allen ein größere Stabilität von Cello-Seite aus zu besserem, satterem, kontrollierterem Klang geführt.

Du willst, dass dein Spiel brandheiß, spannend und aufregend ist? Kümmer dich um die andere Seite!

Wie?

  1. Beobachten!Nimm dich im Profil beim Üben auf, und beobachte, wohin dein Körper und Cello sich bewegen, besonders in hohen Lagen oder bei kräftigen Einsätzen. Freu dich über alles, was du merkst.
  1. Ausprobieren!

    Spiel lange Töne auf leeren Saiten. Lass dann das Becken langsam nach hinten sinken bzw. nach vorne kippen, OHNE dass du mit dem Arm den Bogenkontakt korrigierst? Was passiert mit dem Klang? Wenn Du nichts merkst, nimm dich auf Video auf!Achtung: Dies ist keine Anweisung zum „Beckenschaukeln“!!! Es ist eine Wahrnehmungsübung damit du merkst, welchen Einfluss du über den Körper auf den Klang nehmen kannst.
  2. Fokus auf „Gegenkontakt“Fass dich selber an! Leg z.B. eine Hand auf dein Bein und spüre es mit der Hand. Dann spüre mit dem Bein deine Hand! Was ist leichter? Was passiert, wenn du beides gleichzeitig spüren willst?Wenn du die Beine überschlagen hast, mach dasselbe Spiel. Oder leg die Handflächen aneinander. Oder, oder, oder… Finde unendliche Spielmöglichkeiten mit den zwei Seiten des Kontakts.
  3. Ändere deine Perspektive!

    Spüre den Kontakt zu deinem Bogen durch das Cello. Als würde das Cello den Bogen spielen und nicht umgekehrt. Was suchst du in diesem Kontakt? Einen satten Handschlag, zartes Streicheln oder heißen Sex? Vergiss nicht: „It takes two to tango!“Was immer es ist: wie beim gelungenen Handschlag kann eine große Intimität entstehen, wenn beide Partner einer Berührung sich ganz in diese Hineingeben.

Oft wünschen wir uns Kontakt, aber wenn er dann da ist zucken, wir zurück. Kontinuierlich immer wieder den Kontakt neu einzugehen und dranzubleiben braucht manchmal mehr Mut als wir denken. Jedenfalls geht es mir so. Dir auch?

Auch ich freue mich natürlich über Resonanz – z.B. in Form deines Kommentars oder deiner Newsletter-Anmeldung. Dafür bekommst du dann weiterhin Tipps und Ideen für besseren Klang mit weniger Anstrengung. Auch Reibung und Widerstand sind wärmstens willkommen, aber nicht Bedingung!

Und jetzt viel Freude beim sinnlichen Spielen!

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I´m wishing you a happy new year and lot´s of joy with yourself and your instrument! I´m glad you´re here!

I have been considering the topic “sounding point” (contact point in German) for a long time now. Where bow hair and string meet everything we have to offer regarding material, technique, power and ease is channeled. This is the origin of the sound! This is where the action is!

Isn´t the sounding point therefore the most erogenous region of the cello?

To be continued. But at first a little anecdote:

After the Christmas mass the priest stood at the exit, shaking hands of the parishioners and wishing them a merry Christmas. What a nice gesture! So I took his hand in return. But for me it felt like a rubber glove filled with jelly. By intuition I tried to get a grip. (“There must be bones somewhere in this hand…”)

So this is how our little encounter turned into an embarrassing moment.

Contact needs resistance.

Resistance is the force an object puts up against the attempt to be set into motion. And we need this counterforce to get into contact. Although the hand of the Monsignore approached me it didn´t put up any resistance against mine. So mine missed its mark.

No contact without resistance. No sound without contact. What a pity.

This is why we use rosin – instead of oil – as a “friction agent”. We need the resistance, the substance. We need something that answers “No” before it consents to getting into friction and vibration. In Tango the dance becomes exciting when the Follower reacts with a minimum of delay. If this positive ductile elasticity succeeds it can become a “high voltage dance”.

Resistance does not equal conflict or fight.

It is just a force opposing mine and giving me resonance to my actions. Isn´t a successful handshake in which two persons meet a terrific thing? When two people truly meet each other – not flinching – not squeezing? Amazing intimacy and closeness is possible in these moments. What if we would appreciate resistance and friction, possibly wishing for them instead of judging them as negative?

Anyway: Friction at the right spot is a blissful thing, isn´t it?

What does this have to do with sound production?

Well – casually said: You´re “pleasing yourself” when you play the cello. You are responsible for both sides of the contact point.

You are responsible for both sides of the sounding point.

We are bothering about our bow technique in great detail – but how about the opposite side? Your bowing skills can only unfold their true magic only if the strings offer a decent counter contact. And this counter contact is created by your whole body (especially legs and torso). This part is equally important and should be considered with the same accuracy and attention as the bowing skills.

Why? More than 80 % of the cellist I have worked with (more than 300 by now) are flinching their cello away from the bow in the critical moment. Why? Because the combination of a backwards dropping pelvis with an extended bow arm preparing for the great attack leads to a slumping of the ribcage area. Unfortunately that´s where the cello is supported. And similar to what I did when I wanted to shake the hand of the Monsignore the bow arm grips tighter in order to achieve the contact.

The consequences: Back pain (because intuitively we try to regain the stability) and a tiered bow arm (searching for contact but missing the mark).

Vice versa the majority of these cellists created a better, juicier, more controlled sound after achieving more stability from the perspective of the strings.

You aim for a sound that is red hot, exciting and interesting? Take care of the other side!

How?

  1. Observe!Video yourself as you practice from a side perspective and observe the movement of your body with the cello. Especially when you play high notes or want to be loud. Celebrate everything that you notice.
  2. Explore!Play some long notes on open stings. As you do this let your pelvis slowly rock backwards and forwards WITHOUT adjusting the bow. What happens to the sound? If you don´t notice a change make a video.ATTENTION: This is not an advice to do weird things with your pelvis! It is an exercise to increase your awareness of how you can influence the quality of the sounding point through body movement.
  3. Focus on “counter contact”!Put hands on yourself! E.g. put your hand on your leg and sense the leg with your hand. Now change the perspective and sense the hand with your leg. Which one is easier? What happens if you intent to sense both sides equally at the same time?Find infinite opportunities to play with this principle.
  4. Change your perspective!Notice how your cello contacts the bow. As if the cello would play the bow – not vice versa. What is your intention for this “love affair”. Do you want a nice hand shake, a gentle teasing or hot sex? Remember: “It takes two to tango.”Whatever you’re aiming for: As with a successful handshake suddenly an intense intimacy can occur when two partners really surrender to their touch.

We often wish for contact but if it´s there we flinch. Renewing contact ever again and staying with it sometimes needs more courage than we thought. That is my experience. And what is yours?

I´m too looking forward to resonance – e.g. by receiving your comment, a share or a newsletter sign-up! In return you´ll receive even more tips and ideas on how to achieve more sound with less tension. Friction and resistance is also welcome – but not obligatory!

And now: Have fun with your sensual practicing!

Tacet. Er schweigt. / Tacet. It is silent.

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Es ist der erste wärmere Tag nach einer bitterkalten Woche und mein Weg führt mich am Werdersee entlang, einem Nebenarm der Weser. Es ist grau, nur wenige Menschen sind unterwegs.

Irgendetwas ist anders als sonst.

gefrorener SeeEs liegt etwas in der Luft. Alles erscheint so weit und gleichzeitig nah, irgendwie klingt die Welt anders.

Irgendetwas ist anders – und obwohl jede Zelle meines Körpers dieses „anders“ versteht: für meinen Verstand ist es unfassbar. Magisch.

Auch die Möwen sehen so anders aus, wie sie da auf dem See schwimmen…

Halt! Sie schwimmen nicht. Sie stehen auf dem Wasser. Wenn sie auf dem Wasser stehen, dann heißt das, … dann heißt das, dass…

Tacet. Der See schweigt.

An diesem Tag braucht mein Gehirn sehr, sehr lange um zu verstehen, dass der See noch gefroren ist, aber durch das Tauwetter und leichten Regen von einer dünnen Wasserschicht bedeckt ist.

So einfach. So logisch. Nicht weniger magisch.

Meine Erkenntnisse:

  1. Meine Wahrnehmung verläuft in gewohnten Bahnen. Ich bin so groß wie ich bin, vorne ist vorne und unten ist unten. Alles wie immer. Was mir entgeht, ist das Verhältnis der Dinge zueinander, die Proportionen. Und hier spielt die Musik! Probier mal das:
    – Wie groß erlebe ich mich im Verhältnis zum Raum?
    – Kann ich die Stille hinter allen Klängen hören? Die leere Leinwand hinter allen Farben sehen?
    – Wie erlebe ich meine Bewegung (Lagenwechsel, Bogenführung,…) im Verhältnis zum Boden, zu den Wänden, zum Licht, meinem Atem….?
  2. Wenn eins sich ändert, ändert sich alles. Aber krieg ich das auch mit?
    Nichts ist im nächsten Moment wie es im letzten war. Ich bin jetzt nicht die selbe wie zu Beginn dieses Absatzes – und du auch nicht, wenn du es gelesen hast. Begegne ich mir, den anderen, meinem Umfeld immer wieder frisch und neu?
  3. Natur ist immer für eine Überraschung gut und die unerschöpfliche Quelle von Lebendigkeit.
    Wandern. Spazierengehen. Im Parksitzen. Das Fenster öffnen. Vor die Tür treten und das Wetter spüren. Was hörst du? Welchem Musik entsteht in dir?Du wohnst in einer Betonwüste? Irgendwo ist auch da ein Grashalm zwischen den Steinen, eine Zimmerpflanze oder eine Motte im Biogetreide… Alles kann eine Quelle sein, sich mit der Lebendigkeit der Natur zu verbinden.
  4. Unterschätze nie die Stille und trau dich öfter hin.

Ich stehe fassunglos am Ufer und erlebe diesen mir gut bekannten Ort so vollkommen neu: den Klang, die Perspektive, das Licht. Von einem Baum segeln in Zeitlupe ein paar braune Blätter zu Boden und die Intensität der Bewegung vor dem Hintergrund der Stille verschlägt mir den Atem.

Tacet.

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Today is the first warmer day after a week that was bitterly cold. I am walking along the „lake werder“ which is a side arm of our river „Weser“. Everything seems grey and only a few people are outside.

Something is different today than usual.

gefrorener SeeSomething´s in the air. Everything seems equally far and close, somehow the sound of the world is different.

Something is different – and although every cell of my body seems to understand this differentness it is incomprehensible for my mind. It´s magical.

Even the sea gulls look different today as I´m watching them swimming on the lake.

Wait! They aren´t swimming. They are standing on the water. And if they are standing it means… it means…that…

Tacet. The lake is silent.

Today my brain takes very, very long to understand that the lake is still frozen. But because of the beginning thawing and a little bit of rain it is covered by a thin layer of water.

So easy. So logical. Still magical.

My insights:

  1. My awareness works along habitual trails. I am as tall as I am, front is front and back is back. Business as usual. What I´m missing when I only follow these trails is the relationship between things, the proportions. But this is where the action is. Try this:
    – How do I experience my size in relation to the space around me?
    – Can I hear the silence behind the sounds? See the empty canvas behind all colours?
    – How do I experience my movements (e.g. shifts, bowing,…) in relation to the ground, the walls, the light, my breath…?
  2. If one thing changes, everything changes. But am I aware enough to notice that?
    Nothing is in this moment the way it was in the moment that just passed. I am not the same as I was before I wrote this paragraph. And you are not the same as you were before you read it. Do I encounter myself, others, my environment over and over again in a fresh and „virginal“ way?
  3. Natur can surprise us at any moment and is an inexhaustable source of liveliness.
    Hiking. Walking. Sitting in the park. Opening the window. Stepping out of the door and sensing the weather. What do you hear? Which music creates itself inside of you? Do you live in a concrete jungle? Somewhere you will find a leaf of grass between the stones, a plant in an office, a moth in your organic cereal… Everything can be a source to connect to the liveliness of nature.
  4. Never underestimate the power of stillness and dare to visit it more often.

I am standing at the bank. Stunned. I am experiencing this well known place in a completely different way: sound, perspective, light. Brown leaves are sailing from a tree down towards the earth in slow motion and the intensity of this movement in relation to the background of stillness takes my breath away.

Tacet.

Kein Stress für Streicher – 4 Tipps / No Stress for Strings – 4 Tips

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Wenn Streicher irgendetwas gar nicht brauchen können, dann ist das Stress.

Regine Brunke

Am Samstag war ich in einem zauberhaften Konzert der „Bremer Hausmusikwoche“. Und es hatte Wirkung auf mich – den ganzen Tag hindurch – so dass ich meine Gedanken mit dir teilen möchte.

Gitarrenschüler, Hobby-Cellistinnen und ihre Lehrer präsentierten ihre Musik, ihre Leidenschaft, die Ergebnisse ihres Unterrichts. Aber gleichzeitig präsentierten sie noch so viel mehr: Ihren Stolz und ihre Scham, ihre Nervosität und ihre Selbstsicherheit.

Wer auf der Bühne ist, wird sichtbar.

Und darin liegt eine große Ambivalenz – denn was möchte ich denn von mir zeigen? Und was lieber nicht? Es geht immer der ganze Mensch auf die Bühne – die ganze Geschichte, alle Erfahrungen. Alle müssen mit. Der Versuch, etwas davon auszublenden oder verbergen zu wollen (die zitternde Bogenhand), fügt der ohnehin schon vorhandenen Anspannung noch eine zusätzliche dazu: den Anspruch, anders zu sein, als ich gerade bin.

Auf einmal wird spürbar, wie wenig Kontrolle ich habe: über den Moment, meine Körperfunktionen, darüber, was andere über mich denken. Und auch mein Selbstbild funktioniert nicht mehr. Ich dachte, ich bin so selbstsicher. Ich dachte, das macht mir nichts aus.

Ich dachte,…

Selbstbegegnung.

Amateurstreicher-Vorspiele können ganz schön schrecklich klingen – wenn man die gängigen, durch akustisch perfekte Musikaufnahmen geprägten Maßstäbe ansetzt. Gute Intonation unter Anspannung ist eben einfach verdammt schwer.

Manchmal finde ich es schwierig, im Publikum Zeugin dieser Bemühungen zu sein. Ich schwitze mit und manchmal kommt es auch zum Phänomen des „Fremdschämens“. In diesem Konzert aber konnte ich mich im Publikum herrlich entspannen.

Auch in diesem Konzert gab es „Fehler“ und „Aussetzer“, sowohl bei den Gitarristen als auch bei den Cellistinnen. Aber die Musik hat darunter nicht gelitten. Die Intonation der 11-köpfigen Cellogruppe war richtig klasse (größtenteils Erwachsene, die auch als Erwachsene mit dem Cellospiel begonnen haben). Es lag eine freundliche Ernsthaftigkeit in der Luft, die noch immer in mir nachklingt.

Was war hier – bei diesem kleinen Konzert – so besonders?

Mein Eindruck ist, dass die beiden Lehrer – abgesehen von anscheinend gutem Unterricht – einen wunderbar entspannten Rahmen geschaffen haben (was sicherlich mit viel Arbeit und Umsicht verbunden war).

Hier ein paar der herzerwärmenden Momente:

  • Die Gitarristen saßen in 5er-Gruppen im Halbkreis auf der Bühne, spielten ein Stück zusammen, dann jeder ein Stück allein, dann wieder alle gemeinsam. Es musste also nie jemand ganz allein auf der Bühne sein. Die Unterstützung, Solidarität, Konzentration und der Rückhalt der anderen war mit Händen zu greifen. Hier zitterten auch Finger, aber nie entstand das Gefühl des „Bloßgestellt“- Seins.
  • Die Lehrer, die auch durch das Programm führten, strahlten – zumindest in der Außenwirkung – große Ruhe aus. Das Konzert begann pünktlich. Es kam kein Gefühl von Zeitdruck auf. Und das Programm war so schlank, dass das bis zum Ende auch so blieb.
  • Der Cello-Lehrer gab seiner Gruppe vor jedem Stück die Zeit, die „Töne auf dem Griffbrett zu suchen“ und anzuspielen – in aller Ruhe. Das ist unüblich, aber sehr hilfreich. Denn wenn der erste Ton schon nicht stimmt, wird es im Laufe des Stückes nur immer schlimmer. Das Beste war aber, dass der Mann in der Reihe hinter mir schon nach diesen Einspieltönen sagte: „Hach, das klingt einfach so schön.“. Dann erst begann das Stück.

Warum widme ich diesen Kleinigkeiten so viel Raum und Gedanken?

Wenn Streicher irgendetwas gar nicht brauchen können, dann ist das Stress.“ 

Regine Brunke

Die Selbstbegegnung auf der Bühne, das „Sich-Ausliefern“ an den gegenwärtigen Moment – und das unter Zeugen – ist in sich eine Spannung, ein Stress – im positiven Sinne. Er gibt uns die Aufmerksamkeit und Wachheit, die wir in diesem Moment auch brauchen. Und vielleicht suchen wir auch deshalb diese Selbstbegegnung immer wieder bewusst auf…

Je unterstützender das Umfeld ist, in dem diese Begegnung geschieht, umso stärkender kann die Erfahrung werden.

In meiner Arbeit – und auch in meinem persönlichen Leben – geht es immer um diese Frage: „Was braucht es für eine gute Erfahrung? Was braucht es nicht? Und wie können wir das, was schon da ist als Unterstützung nutzen?

Unterstützung reduziert Stress. Unterstützung können wir immer brauchen. Immer.

Manchmal fliegt uns Unterstützung einfach zu: in Gestalt achtsamer, kompetenter Lehrer*innen, verständiger Eltern und respektvoller Kolleg*innen. Manchmal müssen wir darum bitten oder sie regelrecht anfordern: einen nicht wackelnden Stuhl, die Zeit zum Stimmen oder jemand, der uns zum Konzert fährt. Und manchmal müssen wir lernen, die Unterstützung zu erkennen und bewusst zu nutzen, die sowie so immer da ist: die Stützkraft der Erde, die Stabilität unserer Knochen, die Verbundenheit mit lieben Menschen.

Hier ein paar Ideen, wie du dir ganz konkret Unterstützung organisieren – aber auch Unterstützung für andere sein kannst:

  1. Du bereitest dich gerade auf Prüfungen oder Vorspiele vor?
    Gib dir während der Vorbereitung die Zeit, dir in deinem Kopfkino die „ideale Prüfung“ zu drehen. Was taucht in diesem Tagtraum auf? Was erlebst du als unterstützend?
  2. Dein schlimmster Stressfaktor sind deine Pultnachbarn oder der/die Dirigent*in?
    Das ist der Härtefall und es gibt keine 08/15 Antwort. Für mich ist zur Richtschnur geworden:

    Was ich mir von anderen wünsche, gebe ich mir zu allererst selbst.“

    Danke an Bärbel Lonczyk für diesen weisen Rat.

  3. Du bist aufgeregt und hast auch etwas Angst?
    Umgib dich bewusst mit den Menschen, die du als unterstützend empfindest und meide die anderen. Das ist nicht unhöflich sondern vernünftig. Kritiker*innen und blöde Ratschläge braucht vor, während und direkt nach einem Konzert wirklich niemand. Jemand ist der Meinung, du quietscht und äußert das auch? NICHT einladen! Zum Umtrunk danach: Herzlich willkommen!
  4. Du hast ein musizierendes Kind und willst es unterstützen?
    Das Zauberwort heißt „Zeit“.Ich weiß, ich hab´ leicht reden: Aber kann – wenn dein Kind an einem musikalischen Ereignis teilnimmt – Ruhe und Zeit Vorrang haben? Zeit, alles zusammen zu packen und rechtzeitig am Ort des Geschehens zu sein. Zeit, vorher noch was zu essen und ohne Stress aufs Klo zu gehen. Zeit, nach dem Konzert in Ruhe einzupacken – das wird noch länger dauern, als davor! Vielleicht verpasst du deine Lieblingssendung oder die Nachrichten – aber du bekommst kostbare „high quality – time“ mit deinen Lieben geschenkt! Und vor allem, Zeit und Raum die ganze Geschichte das Abenteuers zu hören. Dein Kind ist inneren Ängsten begegnet und hat sich ihnen tapfer gestellt. Da hat man was zu erzählen! Feiert zusammen die geglückte Heimkehr des / der Held*in, egal welche Federn er oder sie bei dem Ritt lassen musste!

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Schulkonzerte, Klassenvorspiele, Prüfungen und Orchestervorspiele hinterlassen bleibende Spuren. Du kannst als Lehrer*in, Elternteil, Kolleg*in oder einfach als erwachsener Mensch für dich selbst mitgestalten, wie diese Spuren aussehen.

Möchtest du deine Gestaltungsspielräume erweitern? Unten rechts ist ein graues Feld „Follow“ mit gelbem Stern. Trag dich ein und verpasse keine Tipps mehr!

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“If there´s anything strings players don´t need at all, it´s stress.”

Regine Brunke

I attended an enchanting concert at the “Bremer amateur music week” on Saturday. The impression it made lasted the whole day – so that I decided to share my thoughts with you.

Guitar students, amateur cellists and their teachers presented their music, passion and the results of their classes. And at the same time they presented so much more: their pride and their shame, their nervousness and their self-assuredness.

On stage one becomes visible.

And this implies a huge ambiguity – what do I really want to show of myself? And what would I prefer to hide? The whole person enters the stage – their history, their experiences. The whole lot has to come along. The attempt to fade out or cover some of them (the shaking bow hand…) add another tension to the already existing one: the requirement to be different than I am right now.

Suddenly I realize how little control I have over the moment, my body functions, over the opinions of others about me. My self-perception doesn´t work as before. I thought I was so confident. I thought I didn´t care so much…

I thought…

Self-encounter.

Amateur-string recitals can sound can sound pretty awful – if measured with the average standards of all the acoustically perfect recordings. Good intonation is so damn hard under pressure.

And sometimes I find it also hard to witness these efforts in the audience. I am also sweating and I sometimes experience the phenomenon of „substitutional embarrassment” (sorry for that, my English native friends). But in this concert nothing like that happened.

There were also “mistakes” and “blackouts” both along the guitar players and cellists. But the musical expression didn´t suffered from this. The intonation of the group of eleven cellists was really good (mostly adults who started to learn to play the cello as adults). There was a sense of friendly seriousness in the air which still resonates inside of me.

What was so special in this little concert?

In my impression the two teachers managed to create a wonderfully relaxed setting – besides good teaching. And I guess that this needed dedication and mindfulness.

Here I want to recall some of the heart-warming moments:

  • The guitarists sat in groups of five on stage in a half circle. They played one piece together, then each played his piece alone and then again they played together. So nobody had to sit on stage all alone. The support, solidarity, focus and the backing of the peers was palpable. Fingers trembled – but never a sense of embarrassment occurred.
  • The teachers expressed a great calmness as they led through the program (at least that´s what it appeared from the outside). The concert started on time. There was no feeling of haste and time-pressure. And this continued as the program was lean enough.
  • Before each piece the cello teacher gave his group the chance to find the first notes on the fingerboard and play them together to tune in – completely calm. This is very unusual but very helpful. Because when the first note is not in tune the anxiety builds up and continues to become worse over the course of the piece.

    But the true highlight was the man sitting in the row behind me who sais after this first preparing sounds: „Ahhh, it just sounds so nice.“. Then the piece began.

Why do I give these little events so much attention?

“If there´s anything strings players don´t need at all, it´s stress.” Regine Brunke

Encountering oneself on stage, surrendering to the present moment – and being witnessed at the same time by an audience – is an inner tension. It´s stress – in a positive sense. The stress gives us the alertness which we need in this situation. And maybe this is also why some are consciously revisit this moment of self-encounter over and over again.

The more supportive the field in which this encounter takes place the more empowering the experience can become.

In my work I am constantly questioning: „What does it need right now for a good experience? What is unnecessary? How can we use the support that is already present? “

To experience of support reduces stress. Support is always useful. Always.

Sometimes support just comes to us: as mindful, competent teachers, understanding parents and respectful colleagues. Sometimes we have to ask for it or request it: a stable chare, time to tune up or someone driving us to the venue. And sometimes we have to learn to recognize and consciously appreciate the support which is always present: the supporting force of the ground, the stability of our bones, the relationships with dear friends.

Here is some inspiration for you how to organise support for yourself and how to support others.

  1. Are you currently preparing for auditions or recitals?
    Shoot your own movie about “the perfect audition“ in your imagination. What appears in this daydream? What could be supportive?
  2. Your worst cause of stress is the musician sitting next to you or the conductor?
    This is a really tough case and there is no easy answer. My inner guideline is this wise advise of my coach Bärbel Lonczyk: „Whatever I wish from others I will primarily give to myself.“.
  3. You are excited and also scared?
    Search the company of supportive people and avoid the others. This is not rude. It is sensible. You really don´t need criticism and incompetent advice before or after the concert unless you ask for it. Someone thinks your sound is squeaky? DON´t invite that person! He or she can come to the after show party…
  4. Your child makes music and you want to support it?
    „Time“ is the magic word.I know – it easy for me to say that: But could calmness and time have priority on the day of the important musical event of your child? Enough time to pack everything and be at the venue early enough. Time to eat beforehand and time to visit the bathroom.  Time after the recital to pack again – because it will take longer than before. Maybe you´ll miss your favorite TV show or the news – but in return you receive real „high quality time“ with your loved ones. And – very important – time and space to listen to the whole story of your child’s adventure. Your child has encountered inner fears and had the courage to face them. There´s a lot to tell afterwards! Celebrate the happy return of the hero whatever accidents he/she had on the trip.

I can tell from experience: school recitals, auditions and public concerts leave traces. As teacher, parent or colleague – and especially as an adult for yourself – you can create a field in which this can become good memories – not scars.

Do you want to expand your performance comfort zone? At the bottom right is a gray field with a yellow star tagged „Follow“. Sign up and don´t miss a tip!

Was zum Freuen!

Meine Tante machte immer zwei Geschenke, etwas „Nützliches“ und „Was zum Freuen“.

„Bewegungsluxus“ ist ein „All-in-one“ – Geschenk! Eure Beschenkten bekommen ein kompetentes Coaching, in dem es individuell um ihre Bewegungsfreude und -qualität geht. Ganz nach Wunsch! Und sie nehmen aus der Stunde konkrete Genuss-Tipps mit in den Alltag. Mit Spaß und ganz viel Herz!

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Ich wünsche Euch schöne Weihnachts-Winter-Familien-Freunde-Genuss-Zeit!

Eure Stefanie Buller

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Ich wünsche Ihnen bunte, bewegte Festtage!

Eure und Ihre
Stefanie Buller

Alexander-Technik und Cello-Abenteuer! Alexander Technique and Cello Adventure!

Zehn Tage intensivste Studien liegen hinter mir! Ich habe mich – im wahrsten Sinne des Wortes – in die Hände von Vivien Mackie begeben, einer Cellistin, die drei Jahre bei Pablo Casals studiert hat und gleichzeitig eine Alexander-Technik-Lehrerin mit 40 Jahren Berufserfahrung!

 

Ich hatte Cello-Stunden bei Ihr und natürlich Alexander-Unterricht. Aber auch Atmung, Gesang und meine Art die Hände im Unterricht einzusetzen waren Thema. Und immer wieder: Wie entwickle ich einen starken Rücken? Außerdem hatte ich die Gelegenheit drei Stunden unter Ihrer Supervision zu unterrichten. Mit großer Geduld und Ernsthaftigkeit, Humor und Leichtigkeit hat Sie meine Grenzen immer weiter ausgedehnt.

Sie hat ein Buch geschrieben:
„Just Play Naturally“
Account of Her Cello Study with Pablo Casals in the 1950’s and Her Discovery of the Resonance Between His Teaching and the Principles of the Alexander Technique
ISBN-10: 1425708692

Euer lokaler Buchhändler bestellt es gern für Euch!

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Ten days of very intensive studies ly behind me! I gave myself – truly – into the hands of Vivien Mackie, a cellist, who studied three years with  Pablo Casals and who is a  Alexander-Technique-Teacher with  40 years of experience!

I had cello lessons and Alexander lessons of course. Breath, songing and my way of using my hands while teaching where also topics. And repetitively: How can I develop a strong back? Furthermore I had the opportunity of teaching three lessons under her supervision. With great patience and seriousness, humor and ease she stretched my limits beyond my imagination.

This is her book:
„Just Play Naturally“
Account of Her Cello Study with Pablo Casals in the 1950’s and Her Discovery of the Resonance Between His Teaching and the Principles of the Alexander Technique
ISBN-10: 1425708692

You can order it at your local book store!

Alexander-Technik auf der Berlinale 2013 – AT at the Berlinale 2013

Als treue Blog-Leser wisst Ihr längst um meinen „Deutschlandfunk“-Faible! Hier kommt ein weiterer Grund dafür:

Im Februar fand im Rahmen der diesjährigen Berlinale ein „Talent Campus“ statt, der von zwei internationalen Alexander-Technik-Coaches geleitet wurde.

Gleich zwei Beiträge dazu kamen im Deutschlandradio Kultur:
Ein Interview mit Jean-Luis Rodrigue, das mir sehr gefällt:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/profil/1679157/
und ein Beitrag über den „Talent Campus“, den man sogar noch nachhören kann: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/2007844/

Und dann gab es noch einen Filmbeitrag bei „Spiegel Online“:
 http://www.spiegel.de/video/berlinale-talent-campus-schauspieler-lernen-alexander-technik-video-1253508.html

Da sag noch einer, es gäbe keine Publicitiy für die Alexander-Technik!

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As a faithful reader of my blog you allready know about my liking of the radio station „Deutschlandfunk“. Here is another reason for that:

In the context of this years Berlinale in February a „Talent Campus“ took place, which was led by two international Alexander Technique Coaches.

Deutschlandradio Kultur broadcasted to segments about this:
An interview with Jean-Luis Rodrigue, which I like very much:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/profil/1679157/
and a segment about the  „Talent Campus“, which is still available for listening: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/2007844/

And there was an article in „Spiegel Online“:
 http://www.spiegel.de/video/berlinale-talent-campus-schauspieler-lernen-alexander-technik-video-1253508.html

Who says „There is no publicity for the Alexander Technique?“

Die Angst vor dem falschen Ton – The Fear of the Wrong Note

Cello_kleinIch habe eine Weile nicht geschrieben. Weder über´s Laufen noch über´s Cellospielen. Hätte ich´s getan, hättet Ihr in etwa  gelesen: „Ich schaff´s nicht. Ich komme nicht voran. Es wird immer schlimmer. Ich hab keine Zeit. Das ist ja peinlich, wie langsam ich bin. Wie konntest Du nur glauben, mit Mitte Dreißig könntest Du das noch lernen? Und überhaupt: Werd´endlich vernünftig – es gibt genug Wichtigeres: Arbeiten, Kochen, Aufräumen,…“ Kommt das irgendwem bekannt vor?

Anfänger-Cellospiel kann eine quälende Sache sein – besonders akustisch. Die Beschwerden der Nachbarn haben zwar abgenommen (möglichweise zeigen die Maßnahmen „Yogamatte unter Stuhl und Cello legen“ und „Heizung mit Meditationskissen beschweren“ Wirkung), trotzdem wird die Hemmung erheblich größer, sobald ich weiß, dass die Nachbarin unter mir zu Hause ist. Ich kann nicht unhörbar Cellospielen lernen. Und vor allem: Was hörbar wird, ist meine Schwäche, meine Unfähigkeit, mein „Schief-sein“…

Seit Wochen beschäftige ich mich mit meinem Aufstrich. Mein Abstrich (Handbewegung nach außen) klingt ganz leidlich, der Aufstrich (Bewegung nach innen) klingt nach Asthma.  Ungefähr so: Brumm – Quietsch – Summ – krächts – Brumm – quietsch….. Meine Lehrerin sagt: „Ellenbogen fallen lassen“ – mach ich doch… . Auch alle Alexander-Mantras brachten nichts. Der Frust wuchs. Nicht nur, weil es nach vier Monaten immer noch so grausig quietscht, sondern weil ich als AT-Lehrerin doch eigentlich die Mittel gelernt haben sollte, solche Gewohnheiten aufzudecken.

Heute habe ich das Suchen aufgegeben. Ohne Hoffnung auf Besserung, dachte ich, übe ich halt „Brumm – Quietsch“, bis es mir zu blöd wird. Nach dem fünften „Brumm – Quietsch“ habe ich gemerkt, wie ich direkt vor dem Aufstrich – minimal – den Kopf einziehe. Ein klassischer Schreckreflex – oder besser: ein Schreck-PRE-flex – denn die Reaktion ist schon da, bevor ich überhaupt den Ton gespielt habe.

***Denkpause***

„Was wäre, wenn ich keine Angst hätte, dass der nächste Ton schief wird?“ oder (in Bezug auf meinen ersten Artikel): „Wie wäre ich – ohne die Angst vorm schiefen Ton?“

Muss ich noch weiterschreiben? Dass der Klang auf einmal Platz hatte? Dass der Ellenbogen kein Thema mehr war? Dass die linke Hand auf einmal die richtigen Töne gedrückt hat? (Natürlich auf Anfänger-Niveau…) Brumm – Summ – Brumm – Summ … beglückend…

Wie wäre mein Leben ohne die Angst vorm schiefen Ton?

P.S. Dank an Robyn Avalon, die Meisterin der „Was wäre, wenn…? – Fragen.

I didn´t write for a while. Not about running and not about playing the cello. If I had you would have read something like: „I just don´t make it. I don´t improve. It is even getting worse. I don´t have the time. It is pathetic how slow I am. How could I think I could learn something like this aged 36? Be reasonable, Stefanie – there are so many more important things to do: work, cooking, cleaning…“ Does this sound familiar?

Beginners Cello-play can be an agonizing thing to do – especially acoustically. The complaints of the neighbours have decreased (possibly because my means „yoga mat underneath chair and cello“ and „meditation cushions to weigh down the radiator“ bring some result) – but still the feeling of restrain increases as soon as I know that the neighbour in the flat below me is at home. I cannot learn to play the Cello inaudibly. And: What becomes audible is my failing, my incapability, my „being out of tune“…

For weeks now I am dealing with my upbow. My downbow is quite o.k., the upbow sounds like asthma. Like this: hummm – squeak – hummm – squeak .. My teacher says: „Let your elbow drop“ – But I do this! All my Alexander mantras had no effect. The frustration grew. Not just because of the horrible squeaking after four month of practise, but because as an AT teacher I should have learnd the means whereby I could detect such habits.

Today I quit searching. As there is no hope for improvement I will practise „Hummm – squeak“ again until I am sick of it I thought. After the fifth „Humm – squeak“ I noticed that I pull my head down a little bit before the upbow. A classical startle reflex – or more precisely: a startle PRE-flex – as the reaction appears before I even played the note.

***pause for reflection***

„What if I had no fear of the next note being wrong? OR – relating to this article„How would I be – without the fear of the wrong note?“

Do I have to proceed? That immediately there was room for the sound? That there was nothing to worry about my ellbow? That even the left hand suddenly found the right notes? (still on beginners level…) Hummm – Buzzz – Hummm – Buzzz … blissful…

What would my life be like without the fear of the wrong note?

P.S. Thanks to Robyn Avalon, the mistress of  „What if…? – questions.