Buchtip: Laban, Alexander, Feldenkrais. Pioniere bewußter Wahrnehmung durch Bewegungserfahrung

Im Buch von Elly D. Friedmann findet sich eine Zusammenstellung von Essays über diese „Pioniere bewußter Wahrnehmung durch Bewegungserfahrung“.

Erschienen ist es ursprünglich 1989 in der Reihe „Innovative Psychotherapie und Humanwissenschaften“ bei Junfermann. Herausgeber ist Prof. Dr. Dr. Hilarion Petzold, der an der Universität Amsterdam einen Lehrstuhl für Klinische Bewegungstherapie und Psychomotorik innehat (hatte?)

Er hat auch das Nachwort geschrieben, und auch das kann ich nur jedem empfehlen, der möchte, dass die Alexander-Technik auch medizinisch und psychologisch ernstgenommen wird. In sehr klarer Sprache werden die Stärken – aber eben auch die Schwächen – der Methoden aufgezeigt, wenn es um den Einsatz in einem professionellen, klinischen Umfeld geht.

Einzelne Exemplare sind noch zu beziehen:

http://www.amazon.de/Alexander-Feldenkrais-Pioniere-Wahrnehmung-Bewegungserfahrung/dp/3873872994/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1355151645&sr=8-1

„Man muss sich auf die Welt und die Dinge einlassen“ – Maurice Merleau-Ponty

„Die Wahrheit bewohnt nicht bloß den inneren Menschen. Denn es gibt keinen inneren Menschen. Der Mensch kennt sich allein in der Welt.“
Maurice Merleau-Ponty

Wenn ich das richtig verstanden habe – mit meinen basalen philosophischen Kenntnissen – kann man Maurice Merleau-Ponty („Die Phänomenologie der Wahrnehmung“) als den intellektuellen Vater der Körpertherapien bezeichen.

Als großer Deutschlandfunk „Essay und Diskurs“ – Fan kommt hier der Link zum Skript einer Sendung, die der DLF vor einiger Zeit ausstrahlte. Für jeden, der Körpermethoden auch philosophie-geschichtlich einordnen möchte, ein MUSS!

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1081844/

Völkerball – Auf welcher Seite wart ihr? oder: Bewegungsfreude für alle!

Ich glaube, dass sich die deutsche Gesellschaft teilen läßt in die, die beim Völkerball Spaß hatten und die,  für die es eine sich wiederholende, schlimme Erfahrung war.

Beim Deutschen Turnerbund heißt es: „Ein geeignetes Spiel, um über die Spielfreude hinaus das Fangen des Balles in allen Situationen zu üben und reaktionsschnell Treffer zu erzielen.“

Soso.

Was ich gelernt habe:

1.) Versuche nur zu Fangen, wenn du dir absolut sicher bist, dass es klappt!

2.) Versuche nur zu Werfen, wenn du dir absolut sicher bist, dass der andere NICHT fangen kann.

3.) Wenn deine Qualität das „geschickte Ausweichen“ ist (denn: entscheidest du dich für 1 oder 2 – und es gelingt nicht – wird deine Mannschaft die Augen verdrehen und dich beschimpfen, während die gegnerische Mannschaft höhnisch triumphiert), wirst du am Ende von allen Seiten gejagt.

4.) Wenn du als letzte gewählt wirst, lass dich als erste abtreffen. Das ist „sozial kompatibel“ – denn so verdirbst du den anderen wenigstens nicht den Spaß.

Was ich gerne gelernt hätte:

1.) Wie geht eigentlich „Werfen“?

2.) Wie geht eigentlich „Fangen“?

3.) Wie kann ich einen Ball über das ganze Spielfeld hinweg werfen?

4.) Was kann ich eigentlich tun, um NICHT als letzte gewählt zu werden? (mich „anstrengen“ hat übrigens nie funktioniert…)

Wikipedia sagt: „Gefragt sind Gewandtheit, Treff- und Fangsicherheit, Ausdauer und Geschwindigkeit.“

Aber: WIE LERNT man das?

und: „Der symbolische kriegerische Hintergrund ist den Akteuren heute in der Regel nicht mehr bewusst.“

Ich widerspreche: Der kriegerische Hintergrund war mir in jeder Sekunde unmittelbar einsichtig.

Nun finde ich in der „Berliner Morgenpost“ zum Weltspieltag 2010 einen Artikel und werde ganz aufmerksam: Titel: „Völkerball und Gummitwist – Spiele fürs Leben“

Die Expertin, die Berliner Pädagogin Dr. Heidemarie Arnhold, Vorstandsvorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE) sagt – laut Berliner Morgenpost, beim Völkerball könne man Unangenehmes lernen, z.B.  Enttäuschung oder das Versagen (Beispiele: nicht als erst gewählt werden, keine gute sportliche Leistung erbringen). Frau Dr. Arnold meint demnach,  diese Erfahrungen bräuchten wir im Leben, damit wir als Erwachsene damit klar kämen.

Ich weiß nicht, wie heute mit Völkerball umgegangen wird. Meine Internetrecherchen stimmen mich skeptisch, aber ich halte es für möglich, dass die heutige Grundschulpädagogik einen neuen Umgang damit gefunden hat.

Ich hätte Völkerball nicht gebraucht, um „Versagen“ zu lernen. Ich hätte Lehrer/-innen gebraucht, die mir zeigen, wie ich damit umgehen kann, wie ich mich verbessern kann. Kurz: Die Menschheit braucht Völkerball nicht, um „Unangenehmes zu lernen“ – davon gibt es wirklich schon genug.

In meiner ersten Alexander-Technik-Ausbildungswoche habe ich zum ersten Mal – JEMALS – im Alter von 31 Jahren – entspannt Bälle gefangen. Möglich war das erst, nachdem die Ausbilderin mit uns geübt hatte, auf heranfliegende Bälle keinen Schreckreflex mehr zu zeigen. Erst dann war die freie Entscheidung möglich, entweder den Ball zu fangen – wenn er passend kommt -, oder ihn einfach zu ignorieren, wenn er „blöd“ kommt.

Wenn ich in einer meiner Stunden die Bälle hervorhole, ist es wahrscheinlich, dass die Kundin am liebsten verschreckt flüchten möchte. Wenn dieselbe Kundin am Ende der Stunde  gleichermaßen verwirrt und glücklich weiß, dass auch sie fangen „kann“, weiß ich, warum ich mich für diese Arbeit entschieden habe.  Und ich weiß, welchen Mut diese Frau gerade gezeigt hat.

P.S.: Wer sowas kann (hier klicken: link ), ist natürlich fein raus!!!

Wieder da: Zoana Gepner-Müller in Bremen

Liebe Interessierte an leichter Bewegung!

Einige haben sicher schon darauf gewartet: Meine Ausbilderin Zoana Gepner-Mueller (Philadelphia) kommt auch 2012 wieder nach Bremen!

Der 13. und 14. Oktober 2012 stehen ganz im Zeichen des „Authentischen Bewegens“. Authentic Movement füllt Gedanken wie „ich selbst sein…authentisch sein…den anderen akzeptieren, wie er / sie ist…“ mit lebendiger Erfahrung. Dieses Wochenende bietet, was im Alltag so oft fehlt: Raum und Zeit, mit Dir selbst in Kontakt – und Bewegung – zu kommen. Und außerdem: das „Anders-Sein“ des Andern wertschätzend wahrzunehmen.

Die Kursgebühr beträgt bei Anmeldung bis 14. September: € 145,00, danach € 175,00.

Die Anzahl der frühzeitigen Anmeldungen entscheidet über den Veranstaltungsort, der baldmöglichst bekannt gegeben wird.

Also: Kalender checken und bald melden! Wir freuen uns auf Euch!

Zoana und Stefanie

Lichtenberger Methode – ein Weg zur freien Stimme – Erfahrungsbericht

Die „Wise Guys“ sind eine der populärsten a capella-Gruppen in diesem Land. Einer der Sänger beschreibt in seinem Blog seine Erfahrungen mit der „Lichtenberger Methode“, durch die man anstrengungsloses Singen und Sprechen lernt – und wer Alexander-Technik-Erfahrungsberichte kennt, wird einige Parallelen entdecken. Ich schließe mich der Empfehlung vollends an!

Mein eigener Oberstufen-Musiklehrer und späterer Gesangslehrer ist in dieser Methode ausgebildet. Unsere Körper-Klang-Experimente  und Übungen – damals – in den Schulchorproben haben mich sehr beeindruckt. Es waren meine ersten, in denen der Zusammenhang von Körper und Klang für mich erfahrbar wurden. Ich bin mir heute sicher, dass sie den Stein in´s Rollen gebracht haben, der mich zur Alexander-Technik geführt hat.

Hier noch eine Hörprobe für die, die die „Wise Guys“ nicht kennen:
http://www.youtube.com/watch?v=ft6FMd2p2Jw&w=320&h=180

Video Stimmbänder – Video Vocal Chords

Stimmlippen in Aktion – gefunden auf der Seite des Hamburger Stimmpädagogen (Schlaffhorst-Andersen, Lichtenberger Methode) Til Lawrence.

Vocal chords in action – I found this on the Webpage of the voice teacher Til Lawrence, Hamburg.

Stark verlangsamte Aufnahme der Stimmlippen in Aktion (super!):
http://www.stimmreich.de/hintergrund-stimmpaedagogik/video-stimmlippen.html

Softness is Strength – Weichheit ist Stärke

Nochmal ein Video von dem Cellisten Paul Katz, in dem er erzählt, was er von seinem Tai Chi-Lehrer gelernt und auf´s Cello-Spielen übertragen hat.

Another video of the cellist Paul Katz, in which he tells about what he has learned by his Tai Chi-teacher and his transferring it to cello playing.

Über Füße – About Feet

Über diesen Link kommt ihr zu einer Reihe von Vorträgen über die Bio-Mechanik der Füße. Die computeranimierten Bewegungsabläufe und die physikalischen Erklärungen sind sehr gelungen. Was die Beschreibung der Bewegungsabläufe angeht bin ich etwas skeptisch. Auch ohne Ton oder Englischkenntnisse sehenswert.

Via this link you access a series of talks about the biomechanics of the feet. I find the computer animated movements and physical explainations quite successful. I´m not sure about the desription of the movements. Even without sound or english: worth seeing.

Film auf arte: Die Heilkraft des inneren Arztes

Wer wie ich den Film „Die Heilkraft des inneren Arztes“ auf arte am 22.11. verpasst hat, kann ihn hier ansehen:

http://www.youtube.com/watch?v=top5EHjrluo

 

Nachtrag: Leider ist der Link nicht mehr „gefüllt“. Eine Alternative habe ich noch nicht gefunden.

Über Schmerz – About Pain

Über den Blog der Londoner Alexander-Technik-Lehrerin Sarah Chatwin erhielt ich diesen interessanten Artikel, den ich hier verlinke und übersetze. Die englische Version findet Ihr über diesen Link. Die deutsche folgt hier.

Via Sarah Chatwin – Alexander technique teacher in London – I received this article which I post here in translation. The english version is here. The german one followes on this page.

Die Urheberin: / The source:
Sarah Chatwin is an Alexander Technique teacher based in central London.  She helps people move with less pain and more poise. To subscribe to her free email newsletter and get access to practical advice and simple ideas to try, visit www.sarahchatwin.com

Sarah Chatwin ist Alexander-Technik-Lehrerin im Zentrum von London. Sie hilft Menschen, sich mit weniger Schmerzen und mehr Geschmeidigkeit / Haltung zu bewegen. Um ihren kostenfreien Newsletter zu abonnieren und Zugang zu praktischen Tipps und einfachen Ideen zum testen zu erhalten, besuchen Sie: www.sarahchatwin.com.

in English: The Surprising Truth About Pain

auf Deutsch:

Die überraschende Wahrheit über Schmerz

Ich habe mir in den Finger geschnitten. Mein Nervensystem sendet Schmerzsignale durch die Nervenbahnen an mein Gehirn um ihm zu sagen, dass ich mich verletzt habe. Und das Schmerzzentrum meines Gehirns registriert, dass Schmerz vorhanden ist.

Richtig?

Falsch.

Schmerz ist anders als wir denken. Die Wahrheit über Schmerz zu verstehen kann uns helfen, mit ihm umzugehen. Hier sind drei Punkte, die du wissen solltest:

  1. Es gibt keine Schmerzsignale. Es gibt nur Gefahrensignale. Dein Körper sendet Nachrichten an dein Gehirn um eine Gefahr zu melden. Dein Körper sagt deinem Gehirn nicht, dass etwas schmerzhaftes geschieht. Er sagt deinem Gehirn, dass etwas potentiell Gefährliches geschieht. Es ist dein Gehirn, das entscheidet, als Antwort auf diese Gefahrenmeldungen Schmerz zu produzieren. Schmerz befindet sich „im“ Gehirn – besser: er wird vom Gehirn erzeugt. Das heißt nicht, dass der Schmerz eingebildet / erfunden ist. Er ist immer noch sehr real, aber ist ein Produkt des Gehirns, keine Eingabe (Output – nicht Input).
  2. Deine Schmerzerfahrung entsteht, weil dein Gehirn entscheidet, dass du in Gefahr bist und es dich schützen muss. Der Schmerz an sich ist also nicht die Bedrohung – obwohl er sehr unerfreulich ist. Er ist vielmehr die schützende Reaktion auf eine Bedrohung. Dein Gehirn „schützt dich durch Schmerz“, in dem es eine Warnung sendet, damit du etwas veränderst um dich in Sicherheit zu bringen. Offen gesagt wäre es natürlich nett, wenn unsere Systeme uns ein kuscheliges, warmes Gefühl schickten und uns sanft ins Ohr flüsterten: „Vorsicht!“ – aber nein. Wir werden durch Schmerz geschützt, weil wir auf Schmerz reagieren. Schmerz im Gehirn ruft uns zu: „Hör sofort auf, weiter mit diesem Messer in den Finger zu schneiden!“ „Nimm die Hand von der Herdplatte!“
  3. Wenn dein Gehirn entscheidet, dass eine noch stärke Bedrohung für dich existiert, hält es möglicherweise die „Schutz durch Schmerz“-Meldung zurück, bis es sicher genug ist, sie zu senden. Ich hörte kürzlich die Geschichte zweier englischer Soldaten unter Beschuss während des Falkland Konflikts. Um in Sicherheit zu kommen, mussten sie über freies Feld laufen. Einem wurde während sie rannten das Bein durchschossen, aber rannte weiter. In Sicherheit sagte sein Partner: „Bist du o.k.?“ „Ja.“ antwortete der verwundete Soldat. „Dein Bein.“ bedeutete der Partner. Der Verwundete sah an sich herab, sah die Wunde und wurde sofort ohnmächtig.  Während er gerannt war, hatte sein Gehirn zwei Bedrohungen gegeneinander abgewogen. Erstens: Ich wurde ins Bein geschossen. Zweitens: Wahrscheinlich werde ich wieder getroffen, wenn ich auf offenem Feld anhalte. Sein Gehirn entschied, den überwältigenden Schmerz zurückzuhalten, bis das Senden sicher war.

Was meinst du dazu? Ganz schön herausfordernd, nicht wahr? Nimm dir Zeit es zu durchdenken. Vielleicht magst du dir auch dieses Video mal ansehen.

Weitere Folgen findet ihr auf dem Blog von Sarah Chatwin.