Liegst du noch oder stehst du schon – beim Cello-Spielen? / Do you stand behind your cello – or are you still lying?

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Cello wird sitzend gespielt. Nicht stehend. Logisch, oder? Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen Stehen und Sitzen?

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***Denkpause***

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Die Antwort ist erschreckend einfach: Die Beine werden gefaltet. Sonst nichts. Dadurch verlagert sich das Gewicht des Körpers von den Füßen auf den Po.

„Sitzen“ ist „wie Stehen – nur auf dem Po.“

Mit freundlicher Genehmigung meines Kollegen Tim Soar und des Grafikers Aron Cserveny

Machen wir den Realitäts-Check: Wie fühlt sich das Sitzen am Cello für dich an? Bei manchen Cellisten, besonders denen mit Knickstachel, hat man ja manchmal den Eindruck, sie liegen eher unter ihrem Instrument.

Deine tragende Basis – dein Fundament – im Sitzen ist das Becken.

Selbstversuch:

Stell dich aufrecht hin, ganz normal auf beide Beine. Denke: „Jetzt stehe ich auf den Füßen. Gleich stehe ich auf meinem Becken.“ Falte dann die drei Gelenke in den Beinen (Hüfte, Knie, Füße) und „stell dich auf deinen Po“. Kommt dabei ein anderes Sitzen als normalerweise raus?

Gegenprobe:

Stell dich wieder hin, und denke: „Ich setze mich ans Cello (so wie immer).“ Inwiefern ist das anders?

Es lohnt sich, diese beiden Varianten mehrfach auszuprobieren und sich dabei am besten zu filmen. Ich bin mir sicher, dass du interessante Ergebnisse gewinnst!

Die wichtigsten Gelenke zum Cello-Spielen:

Ich finde, die wichtigsten Gelenke zum Cello-Spielen sind die Hüftgelenke. Warum? Ohne Hüftgelenke kann man sich nicht setzen (s.o.). Außerdem wären wir ohne sie zum „stocksteif“ sein verdammt. Und wie das klänge, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Die Hüftgelenke sind die Schnittstelle zwischen den Beinen und dem Rest des Körpers. Sind sie frei beweglich, wird Bodenkontakt erst möglich, die Wirbelsäule entlastet und sogar die Atmung erleichtert. Dieser Zusammenhang würde jetzt aber den Rahmen sprengen.

Kurz: Hüftgelenke sind zentral, extrem wichtig, eine grandiose Erfindung der Evolution – und gnadenlos unterschätzt.

Deshalb bitte ich dich: Erkläre die Zeit bis zum nächsten Blogartikel (ca. 2 Wochen) zur Woche der Hüftgelenke.

Es wird dein Wohlfühlen beim Spielen revolutionieren und außerdem haben sie das verdient!

Unsere Vorstellung davon, WO sich diese Wunderwerke in unserem Körper befinden, ist oft sehr diffus. Deshalb benutzen wir leider oft Körperbereiche zum „falten“, die dafür gar nicht gemacht sind.

Hüftgelenks-Ortung:

Stell dich nochmal auf und setz dich wieder hin. Welches „Scharnier“ gebrauchst du dafür?

Sieht es bei dir ungefähr so aus?

Oft glauben wir, die Hüftgelenke wären oben am Beckenkamm.

Wenn wir uns mit dieser Idee setzen, kommt das dabei raus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steh bitte nochmal auf. Taste entlang der vorderen Beckenkante (Schambein) bis zur Leistengegend.

In diesem Bereich befinden sich deine Hüftgelenke, das „Scharnier zum Falten“. Nimm dir Zeit, diese neue Information zu realisieren.

 

 

Lockere jetzt dein Gesäß und setz dich wieder hin. War die Bewegung anders? Sitzt du jetzt anders?

 

 

 

Die meisten Menschen sitzen jetzt aufrechter und entspannter. Sie stehen wirklich auf ihrem Becken, das jetzt auch aufrechter ist. Der Körper ist mehr in Balance – und dadurch braucht die Aufrichtung weniger Muskelkraft.

 

Wenn du das jetzt ans Cello überträgst, wirst du mit Sicherheit deine Stachellänge anpassen müssen.

Dies ist eine Zwischenphase!

Spiel damit herum – am besten zunächst ohne Cello. Beobachte deine genialen Hüftgelenke beim Gehen, beim Sitzen im Zug oder beim Schuhe anziehen. Wo überall kann die neu entdeckte Beweglichkeit deiner Hüftgelenke praktisch sein? Probiere es am Cello aus – und wenn es da schwierig ist, quäle dich nicht! Hauptsache ist in dieser Lernphase die Freude an der runden, reibungsfreien Bewegung in der Körpermitte.

Wir brauchen sie dringend zum Cellospielen. Im nächsten Blog schaffen wir die Verbindung!

Bis dahin: Happy Hip-Joints!

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We play the cello sitting. Not standing. Obvious, isn´t it? But what´s the difference between sitting and standing?

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***pregnant pause***

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The answer is alarmingly simple: We fold our legs. That´s it. By doing this the weight of our body is shifted from the feet to the butt.

„Sitting“ is „like standing – just on the butt.“

By courtesy of my collegue Tim Soar and graphic designer Aron Cserveny

Let´s make a reality check: How does sitting with the cello feel like for you? Some cellists – especiallly those with a bent endpin – seem to be lying under their cello.

Your supporting basis – your fundament – as you sit is your pelvis.

Experiment on yourself:

Stand up on both legs – just normal. Think: „I´m now standing on my feet. Soon I´ll be standing on my pelvis.“ Then fold the three joints of the legs (hips, knees, ankles) and „stand on your butt“. Does that result in a different way of „sitting“?

cross check:

Stand up again – thinking: „I´m sitting down to play the cello – as always.“ How is this different?

Playing and experimenting with this two versions is absolutely worth it. And if you video yourself doing it I´m sure you´ll gain precious insights!

The most important joints for cello playing:

The hip joints are crucial for cello playing. Why? Without them we couldn´t even sit down. Furthermore we would be condemned to immobility. And I don´t want to even image what that would sound like. The hip joints connect legs and torso. If they can move freely they enable us to have ground contact, they are a relief for our spine – and even the breathing frees up.

In short: hip joints are central, crucial and an astonishing design of the evolution – and so incredibly underestimated.

Therefore I urge you: Declare the following two weeks as „weeks for the freedom of hip joints“.

It will boost your wellbeing in cello playing and they simply deserve to be appreciated every single day!

Our phantasies about WHERE they are actually located are often quite clouded. That´s why we often accidentely mis-use other parts of our bodies for the folding movement that are not designed to do so.

Locating the hip joints:

Stand up and sit down again. What is the hinge you use for that movement?

Does it look similar like this?

We often believe that our hip joint are way up where we can feel a bony structure.

As we sit down with this idea that´s the result.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stand up again. Palpate along the front bony edge of your pelvis (pubic bone) until you reach the groin.

In this area our hip joints are located – the hinge designed for folding. Take your time until you have realised this new information.

Now release your buttocks and sit down again. How is the movement different? Is your sitting different?

Most people are now sitting more upright with less tension. They are literally standing on their pelvis which is easily upright. They are more in balance which results in less muscular effort for being upright.

If you now transfer this to the cello you will definetely have to adjust the length of your endpin.

This is an intermediate phase!

Play with this ideas – preferrebly without the cello. Observe your gorgious hip joints throughout your day – as you walk, sit in the train or put on your shoes. Where can you apply this newly discovered freedom? You can already apply it to the cello – if it disturbes you – don´t worry! In this learning phase the most important part is having joy with the roundness and ease in this central area of your body in everyday life!

We need it for a great sound. The next blog will make this connection! Don´t miss it!

Until then: Happy Hip-Joints!

Bewegungslust statt Frust

Heute eine ganz aktuelle Meldung:

Am 12. Mai 2014 beginnt der neue Kurs „Bewegungslust statt Frust“ beim TSV Borgfeld. Anmeldungen werden ab sofort dort entgegengenommen!

Ich freue mich besonders, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viele spannende Aktivitäten mitbringen, die sie gern etwas „leichter“ ausführen würden.

Die Details stehen heute im Weser-Kurier:
http://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-Bewegungslust-statt-Frust-_arid,836405.html

Herzliche Einladung!
Eurer Stefanie